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Ohne Anspruch auf Alter: Warum Pflegeheime schließen

Steigende Pflegekosten und die Energiekrise führen zur Schließung von Pflegeheimen. Der Staat wartet auf einen „Rettungsstrohhalm“

Die deutsche Bevölkerung altert stetig, immer mehr Menschen ziehen in Pflegeheime, um die Pflege und Versorgung zu erhalten, die sie benötigen. Die Staatsausgaben für Institutionen steigen. Aber auch die dort lebenden Menschen müssen immer mehr persönliche Ersparnisse aufwenden. Im Moment hat die monatliche Gebühr bereits 2000 Euro erreicht, und das ist nicht die Grenze. Bewohner von Pflegeheimen und ihre Familien sagen, dass es ihnen immer schwerer fällt, mit diesem finanziellen Druck fertig zu werden.


Die Kosten steigen rasant
Der Deutsche Städte- und Gemeindebund meldet einen Anstieg der Ausgaben für Pflegeeinrichtungen um 40 % in den vergangenen vier Jahren. Von 3,4 Milliarden Euro im Jahr 2017 ist dieser Betrag bereits auf 4,7 Milliarden Euro angewachsen, und die Zahlen wachsen weiter rasant.
Andererseits wächst laut Bundesverband der Krankenkassen auch der Anteil der Lebenshaltungskosten, den Pflegeheimbewohner und ihre Angehörigen tragen, stetig. Der Staat gewährt älteren Menschen einen Zuschuss für ein Pflegeheim, aber das ist nur ein Teil der notwendigen Ausgaben, und die Differenz wird aus der eigenen Tasche getragen.
Zwei Hauptgründe führten zum Anstieg der Lebenshaltungskosten in Pflegeheimen. Erstens haben die Mitarbeiter der Organe vor kurzem eine Gehaltserhöhung gemäß den nationalen Kriterien erhalten. Und zweitens steigen die Kosten aufgrund der fortschreitenden Inflation.
Dadurch sind die Zuzahlungen in Pflegeheimen im Vergleich zum Vorjahr um 21 % gestiegen. Jetzt liegen die bundesweiten Durchschnittskosten bei 2.000 Euro. Davon entfallen 700 Euro auf die Pflege selbst, über 80 Euro auf Unterkunft und Verpflegung und rund 450 Euro auf steuerliche Pflichtbeiträge zur Aufrechterhaltung des öffentlichen Gesundheitssystems.
Hat ein Bewohner eines Pflegeheims laut Gesetz die Möglichkeit verloren, seinen Aufenthalt dort aus seinem laufenden Einkommen (und das ist eine gesetzliche Rente und eine zweckgebundene Zulage) zu bezahlen, dann muss er zunächst den größten Teil seines Eigentums verkaufen.
Nur der ungesicherteste Teil der Deutschen hat das Recht, sich mit einem Antrag auf Übernahme der Lebenshaltungskosten in einer Einrichtung an die Sozialbehörden zu wenden. Angehörige müssen diese Kosten nur tragen, wenn ihr Jahresbruttoeinkommen 100.000 Euro übersteigt.


Wie Einrichtungen geschlossen werden
Die schwierige finanzielle Situation musste die Funktionsfähigkeit der Pflegeheime beeinträchtigen. Viele von ihnen haben sich in diesen schwierigen Zeiten für eine Zwangsschließung entschieden. Ähnliche Trends sind in verschiedenen Bundesländern zu beobachten. So hat beispielsweise ein Pflegeheim im Kreis Lichtenfels bis auf Weiteres geschlossen. Der Grund ist der Mangel an Mitteln für den Unterhalt und eine angemessene Bezahlung der Krankenschwestern. Die Leiterin der Einrichtung, Karin Patenhauer, wies darauf hin, dass sie ihren betagten Gästen keine menschenwürdige Betreuung garantieren könne. 55 ältere Menschen in Unterfranken suchen ein neues Zuhause, weil ihre Einrichtung nicht über die Kapazitäten verfügt, um die notwendigen Reparaturen durchzuführen. Aus dem gleichen Grund wurde im Oktober ein weiteres Pflegeheim, diesmal in Regensburg, geschlossen und rund 100 Bewohner mussten es dringend verlassen. Der Bürgermeister der Stadt und Angehörige verurteilten die Entscheidung der Verwaltungsgesellschaft aufs Schärfste, die die seit rund 30 Jahren bestehende Einrichtung plötzlich schließen wollte, aber nichts mehr tun konnte, als dringend eine neue Einrichtung zur Unterbringung von Menschen zu eröffnen pflegebedürftig.


„Man braucht steuerliche Unterstützung“
Die Bundesinteressenvertretung für alte und pflegebetroffene Menschen (BIVA) erwartet bald weitere Preiserhöhungen.
„Wir haben viele Zuschriften bekommen, dass die Wohnungspreise in den letzten sechs Monaten gestiegen sind und einige Objekte vor einer zweiten Preiserhöhung wegen zusätzlich gestiegener Energiekosten gewarnt haben“, so Ulrike Kempchen, Rechtsberaterin der Pflegeschutzverband, sagte in einer Erklärung an die Organisation.
BIVA geht davon aus, dass, wenn die Energiepreise in den kommenden Monaten weiter steigen, es vor Ende des Jahres zu einer zweiten Anstiegswelle bei den Dienstleistungskosten für Pflegeheime kommen wird. Darüber hinaus wird die Preiserhöhung anständig sein.
„Die Kosten haben sich zu sehr zu Lasten der Pflegebedürftigen verändert. Wir brauchen steuerliche Unterstützung und eine gerechte Lastenverteilung zwischen Staat und Bürgern“, sagt Ulrich Elsner, Vorsitzender des Verbandes der Krankenkassen VDEK.
Es wird erwartet, dass die Regierung dringend handelt, um die hohen Inflationsraten auszugleichen. Sparmaßnahmen haben die Bewohner von Pflegeheimen aber noch nicht erlebt. Die Präsidentin des öffentlichen Verbandes VdK, Verena Bentele, sagt, sie sehe bisher nicht einmal politische Äußerungen, die Hoffnung auf eine baldige Senkung der Lebenshaltungskosten in Pflegeheimen machen würden.

Anastasija Rjabokon
Anastasija Rjabokon
Journalist, Redakteur-Analyst Seit 2005 arbeitet sie in verschiedenen ukrainischen Tages- und Analysepublikationen. Sie bereitet Artikel zu politischen und gesellschaftlich bedeutsamen Themen vor. Schon seit der Schule wusste sie, dass sie Journalistin wird und Schulaufsätze wuchsen allmählich zu urheberrechtlich geschütztem Material.

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